Nachgedacht - Oktober/November 2017

Unsere Kirche zieren etliche Wappen. Zum Tag des Denkmals haben wir sie näher in Augenschein genommen. Sie sind interessant, erzählen Geschichte(n). Vor allem von berühmten Menschen.

(Ich habe gelernt, dass Wappen, aus deren Bildern der Name ihres Trägers hervorgeht, „redende“ Wappen heißen.)

Die Wappen befinden sich oft weit oben: an Gewölbeanfängen oder Schlusssteinen der Gewölbe. Man muss den Kopf weit in den Nacken legen, um sie zu sehen. Absichtlich? Wollten die Träger der Wappen, dass man zu ihnen „aufschaut“? Wollten sie sich selbst gar „in den Himmel“ heben – der König, der Kaiser, der Abt?

Von etlichen Wappen sind nur noch die leeren Schilder erhalten. „Reden“ die auch? Vielleicht davon, wie vergänglich Menschen sind? Wie rasch ihre Geschichte(n) vergessen werden?

Das Wappen auf unserem Bild ist seit knapp 500 Jahren nicht vergessen. Vielleicht, weil sich sein Träger nicht selbst „auf den Schild hebt“, sondern aus dem „redenden“ Wappen ein „predigendes“ macht? Was will Martin Luther mit seiner „Luther-Rose“ denen erzählen, die sie anschauen? Er hat sein Wappen gedacht als „Compendium“ seiner Theologie, wie er in einem Brief 1530 schrieb: Mitten in einem roten, lebendigen Herzen steht ein schwarzes Kreuz. Es erinnert, dass der Glaube an den Gekreuzigten uns selig macht – „Der Gerechte wird aus Glauben leben.“ (Röm. 1,17). Das Herz ist auf eine weiße Rose gebettet, „um anzuzeigen, dass der Glaube Freude, Trost und Frieden gibt.“ Die weiße Farbe (Symbol für Christus) sagt, dass es um den Frieden geht, der „höher ist als alle Vernunft“ (Phil 4,7). Dann das himmelblaue Feld: Es drückt aus, „dass solche Freude im Geist und Glauben ein Anfang der himmlischen, zukünftigen Freude ist, die jetzt schon…durch Hoffnung erfasst, aber noch nicht offenbar ist.“ Und der goldene Ring darum? Er steht dafür, dass die kostbare Seligkeit im Himmel ewig währt – nicht mehr begrenzt durch Raum und Zeit.

Ein „redendes“, predigendes Wappen, das mit wenigen Symbolen die ganze Heilsgeschichte erzählt – nicht nur bezogen auf einen Wappenträger, sondern bezogen auf alle Menschen, die ihr Herz öffnen für den, der uns das Heil schenken will, Christus.

Gabriele Führer


Die Bild stammt aus dem Epitaph der Katharina von Bora n der Torgau Marienkirche. Bildquelle: Andreas Praefcke (Own work (own photograph)) [CC0], via Wikimedia Commons